Vorbericht der 83. Kunstauktion
83. Kunstauktion am 29./30.03.11
Die Schätze des Sammlers Rudolf Leopold
Am 29. und 30. März startet im Kinsky in die Auktionssaison mit Gemälden aller Sparten und Antiquitäten. Es kommen 902 Objekte zur Auktion mit einer unteren Schätzpreissumme von etwa 4,8 Millionen Euro. Fast ein Drittel der Werke dieser Auktion stammt aus der so genannten Sammlung Leopold 2.
Professor Dr. Rudolf Leopold, der bedeutendste Sammler des Landes, Direktor seines Museums auf Lebenszeit, war mit der einzigartigen Begabung ausgestattet, künstlerische Qualität auf den ersten Blick zu erkennen. Das machte ihn zum unbestrittenen Experten für die Malerei des 19. und 20. Jahrhundert. Seine Interessen gingen freilich weit darüber hinaus: Er sammelte, alpenländisches Glas, Gmundner Keramikkrüge, gotische Mörser, Zinn, bemalte Bauernmöbel usw. Und überall bewies er sein absolutes Gespür für das, was gut und echt ist.
Nach dem Tod des Sammlers hat sich seine Frau entschlossen, die (nach der Errichtung der Stiftung entstandenen) Sammlung auf ihren wesentlichen Kern zu konzentrieren. Zur Auktion im Kinsky gelangen deshalb 251 Werke Alter Meister, Bilder des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne, zeitgenössische Kunst und Antiquitäten. Für die Bieter dieser März - Auktion erhält dieses Angebot durch diese Provenienz einen zusätzlichen Anreiz. Dazu kommt, dass die Kunstwerke bei der Hälfte des unteren Schätzpreises ohne Limit ausgerufen werden.
Allegorie der Liebe
Am 29. März beginnt die Auktion mit acht Werken aus der Sammlung Leopold 2. Die Mystik und Allegorien die oft in den Gemälden Alter Meister zu finden sind, faszinieren heute noch immer. „Die vier Elemente“, von Abraham Govaerts, verkörpert durch vier Frauengestalten, entstand um 1620 und wird auf € 50.000 – 100.000 geschätzt. Giacinto Calandrucci, geboren in Palermo, der wohl im Jahre 1669 nach Rom kam, wo er in Carlo Marrattas (1625–1713) Werkstatt eintrat und bald zu einem seiner Lieblingsschüler avancierte. Das Gemälde „Venus und Cupido“ in einer arkadischen Landschaft (Schätzpreis €100.000-200.000) ist ein seltenes Werk aus seiner Reifezeit um 1685-90. Das Angebot reicht von den italienischen bis zu den niederländischen Meistern, wie Bartholomeus van Bassen (1590 – 1652), der für die Lichtführung und perfekte Beherrschung der Perspektive seiner Architekturstücke berühmt ist. Das „Innere einer Renaissancekirche“ (Schätzpreis € 60.000 – 100.000) entstand zwischen 1628 und 1630 und besticht besonders durch die Vielzahl seiner detailreich gestalteten Staffagefiguren.
Bilder des 19. Jahrhunderts
Ab den 1840er Jahren wird für Ferdinand Georg Waldmüller (Wien 1793 - 1865 Helmstreitmühle bei Mödling) das Licht zum eigentlichen Thema seiner Malerei. Es ist ein hartes, nahezu gleißendes Licht, das der Künstler durch starke Farbkontraste, scharf gezeichnete Konturen und einen fast schwarzen Hintergrund erzielt. Das „Stillleben mit Austern, Fischen und Südfrüchten“ (Schätzpreis € 150.000 – 250.000) ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Malweise und stammt aus der Sammlung Leopold 2.
Rudolf von Alts detailreiche, nahezu fotorealistische Momentaufnahme des Inneren der Franziskanerkirche in Salzburg wird auf € 35.000 – 70.000 geschätzt und stammt ebenfalls aus der Sammlung Leopold2.
Klassische Moderne
In Baden bei Wien starb 1959 Wilhelm Victor Krausz, der sich vorwiegend dem Portraitieren von Wiener Persönlichkeiten widmete und durch seine Meisterschaft in diesem Bildnisfach zu großem Ansehen gelangte. Er ist mit 37 Werken vertreten, die aus seinem Nachlass aus dem Wien Museum stammen. Das Portrait der Ex-Kaiserin Zita (€5.000 – 10.000) oder die Portraits von Gerhart Hauptmann gehören ebenso dazu, wie auch das Bildnis von Klemens Holzmeister oder von Rosa Albach-Retty. Die mythologische Darstellung der „Hesperiden“ (€ 10.000 – 15.000) ist eine Ausnahme in seinem Schaffen, aber umso beeindruckender. Auch Norbertine Bresslern-Roth (Graz 1891 - 1978) galt schon zu Lebzeiten als bedeutendste Tiermalerin ihrer Zeit. Die Fähigkeit, eine besondere Dynamik und Kraft in ihre Werke zu legen und die jedem Tier eigene Wesensart meisterhaft in Szene zu setzen, besaß sie bereits als junge Künstlerin. „Leguane auf den Galapagos-Inseln“ (Schätzpreis € 25.000 – 40.000) ist ein Gemälde, das beweist, dass es der Künstlerin nicht nur darum ging, ein Tier „anatomisch richtig“ zu malen, sondern seine Eigenart in seiner natürlichen Umgebung widerzuspiegeln.
Zeitgenössische Kunst
Nicht weniger als sieben Werke von Markus Prachensky umfasst das Angebot im Kinsky und dokumentiert die große künstlerische Spannweite des Künstlers: Am Anfang standen geometrische Bilder, die er in seinem ersten Atelier am Lobkowitzplatz malte. Seine „Schwarz-Blaue Konstruktion“ aus 1954/55 (Schätzpreis € 25.000 – 50.000) ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür. Die anderen Bilder, etwa „Etruria Orizontale – 1“ (€ 35.000 – 50.000), drei Jahrzehnte später, stehen für die ungeheure Dynamik des Künstlers.
Antiquitäten
Die berühmte Wiener Manufaktur Klinkosch hat diesen Tafelaufsatz für Kaiser Franz Joseph (Schätzpreis € 10.000 – 20.000) aus vergoldetem Silber um 1870 ausgeführt. Daneben bietet die Auktion vor allem bei den Skulpturen herausragende Objekte, etwa eine „Beweinung Christi“ von Johann Benedikt Witz, der das schwierige Birnholz so perfekt, ja geradezu akribisch zu bearbeiten wusste, oder einen „Bischof“ aus der Werkstatt Hans Klockers, die Ende des 15. Jahrhunderts geradezu eine Monopolstellung in Tirol innehatte.
83. Kunstauktion
Dienstag, 29. März 2011
Alte Meister, 15 Uhr
Gemälde des 19. Jahrhunderts, 16 Uhr
Antiquitäten, 17:30 Uhr
Mittwoch, 30. März 2011
Klassische Moderne, 16 Uhr
Zeitgenössische Kunst, 18 Uhr
Vernissage: 23. März 2011
18-20 Uhr in den Prunkräumen im 1. Stock
des Palais Kinsky, 1010 Wien, Freyung 4
Vortrag, Beginn 18.30 Uhr, Dr. Giese,
Erinnerungen an Rudolf Leopold
Besichtigung, 24. März bis 30. März 2011
Mo-Fr 10-18, Sa 10-17, So 11-16 Uhr
Katalogbestellung & Information: +43 1 532 42 00
Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com


