Jahresrückblick 2009


Die Prognosen für das Auktionsjahr 2009 waren ungünstig. Schon bei den Herbstauktionen 2008 hatte die Krise zu drastisch gesunkenen Verkaufsraten geführt (nachdem wir zuvor von einer stetig wachsenden Nachfrage verwöhnt worden waren). Wir gingen jedenfalls von einem Umsatzrückgang um ein Drittel aus. Einige Auguren des Kunstmarkts prognostizierten noch weit darüber hinausgehende Verluste oder erwarteten gar ein Massaker am Kunstmarkt.

Das Massaker blieb aus. Auf den internationalen Märkten kam es allerdings zu Preiskorrekturen.
In Österreich schienen die Uhren – vorerst – anders zu gehen.  Unter dem Strich blickt im Kinsky aber auf ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr zurück.
Der Gesamtumsatz von 20,6 Millionen Euro stellt ein Plus gegenüber 2008 von 7,3 % dar.

Der Start ins Jahr 2009 gelang fulminant: Die Jubiläums-Auktion im Februar 2009 ließ die Krise vergessen. Im berstend vollen Auktionssaal erzielte das Toplos der Auktion, Max Oppenheimers „Die Geißelung“ trotz Ausfuhrverbots des Bundesdenkmalamtes den Rekordpreis von
€ 557.000. Die „Drei Musen“ von Ernst Klimt, dem jüngeren, früh verstorbenen Bruder Gustav Klimts, erfuhren eine sensationelle Steigerung, von € 18.000 auf 237.000. Zahlreiche Preisrekorde (für Oppenheimer, Ernst Klimt, Herbert Ploberger, Karl Prantl, Joannis Avramidis, Oskar Mulley, Helene Funke und andere) wurden registriert.

Trotzdem: Ganz ließ sich die Flaute der Wirtschaft nicht verleugnen: Eine ganze Reihe von Kunden fehlten plötzlich. Sie wurden, zumindest teilweise, ersetzt durch andere, neue Bieter, für die der Kunstmarkt plötzlich interessant wurde. Sie wollten ihr Geld in etwas anlegen, das man angreifen und sehen konnte; sollten auch hier alle Stricke reißen und die Kurse sinken, hätten sie zumindest etwas, woran sie sich erfreuen könnten. 

Solche Preiskorrekturen sind indes wenig wahrscheinlich. Die heimischen Sammler und Kunstliebhaber sind alles, nur keine Spekulanten, was zur Folge hat, dass die Preise nicht verfallen werden. Allerdings fällt auf, dass gerade diese Kunden derzeit sehr zögerlich sind, wichtige Werke zu verkaufen – sie wollen lieber abwarten. Wenn es also unmittelbare Folgen der Krise gibt, dann vor allem auf der Angebots- und viel weniger auf der Nachfrageseite.

Im April reüssierten vor allem Alte Meister: Faustino Bocchis „Festtag im Zwergenreich“ wurde auf € 93.750 hoch gelobt; Jan van de Vennes „Versuchung des Hl. Antonius“, geschätzt auf 15.000, wurde auf € 94.400 Euro gesteigert; eine mythologische Szene aus der Werkstatt Bartholomäus Sprangers erzielte  mit € 200.000 das Vierzigfache seines unteren Schätzpreises.

Im Mai verhalf dann die Auktion der auf antike Uhren spezialisierten Kunsthandlung D & S Antiques zu vollen Sälen und Kassen – niedrige Rufpreise und der Verzicht auf Limite sorgte für begeisterte Nachfrage der Interessenten aus aller Welt. Im Oktober wurde der durchschlagende Erfolg bei der Nachlass-Auktion der Antiquitätenhändler Hruschka wiederholt. Beide Veranstaltungen brachten hundertprozentige Verkaufsraten – wenn niemand zum Rufpreis bieten wollte, wurde einfach hinuntergesteigert, bis das Interesse genug angeheizt war.

Die Juni-Auktion stand unter dem Zeichen herausragender Preise für Top-Qualtitäten: Das auf € 70.000 taxierte „Stehende Mädchen“ von Egon Schiele kletterte auf unglaubliche € 383.000, ein aquarellierter Akt Schieles wurde auf € 303.000 gesteigert. Auch Gustav Klimt brachte es mit einer Zeichnung auf sensationelle € 200.000. Vor allem die hohen Werte „hielten“, was in den Hintergrund rückte, dass die Verkaufsrate – mit Ausnahme des Jugendstils – schwach blieb. Man hatte den Eindruck, als würde das, wonach der Markt gierte, sogar extrem hoch gesteigert werden, während der Rest sang- und klanglos unterging.

Nur beim Jugendstil tickten die Uhren anders: Obwohl viele amerikanische Sammler durch Abwesenheit glänzten, war die Nachfrage ausgesprochen gut. Und wie in den anderen Sparten, gab es auch hier für Einmaliges einmalige Preise: Eine silber-vergoldete Brosche von Josef Hoffmann, aus geführt für die Wiener Werkstätte 1910, stieg auf
€ 187.500; einer der raren Winterputti von Michael Powolny erzielte
€ 56.000.

Bei der Auktion im Oktober setzten sich die allgemeinen Trends – Höchstpreise für Singuläres, Totalverweigerung für vieles, was noch ein paar Auktionen zuvor problemlos platziert werden konnte – nahtlos fort: Martin Johann Schmidts (Kremser Schmidt) museales „Familienbild“ wurde auf € 268.000. Kaum weniger erlöste Ferdinand Georg Waldmüllers „Betendes Mädchen“: Heiß umkämpft ging es um
€ 257.000 Euro an einen Wiener Sammler. Und bei der zeitgenössischen Kunst brachte das frühe (1953/54) Gemälde „Vollmond“ von Arnulf Rainer mit € 128.000 den höchsten Zuschlag.

Nachstehend die Toppreise des Jahres 2009:

Künstler Titel Kaufpreis
Max Oppenheimer Die Geißelung 527.885
Egon Schiele Stehendes Mädchen 383.000
Egon Schiele Akt mit Strümpfen 303.500
Martin Johann Schmidt Familienbild 268.000
Alfons Walde Aufstieg 262.235
Ernst Klimt Drei Musen 233.491
Ferdinand Georg Waldmüller Betendes Mädchen 250.490
Josef Hoffmann Dose, Wiener Werkstätte 218.750
Gustav Klimt Frauenakt 200.000
Bartholomäus Spranger Mythologische Szene 199.000
Rudolf von Alt Der Konstantinbogen in Rom 198.992
Hundertwasser Zwiegespräch 193.750
Hundertwasser Garten ohne Grund 187.500
Fritz Wotruba Kirchenmodell, Bronze 140.000
Hans Makart Bianca Freiin von Teschenberg 125.000
Victor Vasarely Balaton 125.000
Carl Moll Villa Primavesi 125.000
Herbert Ploberger Stillleben 125.000
Pierre Auguste Renoir Gladiolen 121.000
Arnulf Rainer Vollmond 128.450
Rudolf von Alt Der Markusplatz in Venedig 112.500
Karl Prantl Russische Stele 12.964
Arik Brauer In statu nascendi 112.500
Oskar Laske Der Frühling 102.500
Josef Hoffmann Teeservice, Wiener Werkstätte 101.250
Joannis Avramidis Kleine Humanitätssäule 102.860
Oskar Mulley Papageien 100.000

War nach dem ersten Halbjahr mit einem Umsatzplus von über 11 % noch Euphorie angesagt (deutsche Medien berichteten über Österreichs Auktionen als einer „Insel der Seligen“), brachte der Herbst einen Trendumschwung. Plötzlich war es nicht nur weiterhin schwierig, die Sammler zur Einbringung hochrangiger Objekte zu bewegen, auch die Nachfrage geriet ins Stocken. Die ohnedies schon nicht berauschenden Verkaufsraten sanken weiter. Und jetzt geriet auch Hochrangiges unter Druck: Es genügte nicht mehr, Hochrangiges zu präsentieren, es musste auch zu verlockenden Preisen offeriert werden.

Zwar gelangen noch immer Rekordpreise, etwa für eine Landschaft Franz Grabmayrs (€ 33.500) oder das „Innergschlöss“ von Karl Stark
(€ 40.300), aber nun reüssierte nur, was auch über den Preis attraktiv war: So wurden die „Schönheiten“ des ungarischen Malers Cornel M. Spanyik von der unteren Taxe von 15.000 auf brutto € 85.000 gesteigert. Die „Heuernte“ von Josef Dobrowsky spielte viel mehr als die angesetzten 25.000 ein, nämlich € 67.500. Rudolf Hausners „Adam Baumeister“ erzielte weit über dem Schätzpreis € 90.000. Sensationell reagierten die Bieter auf das umfangreichste Angebot von Arbeiten von Arnulf Rainer: 19 der 20 Werke wurden, teils deutlich über dem Schätzpreis, versteigert.

Aber sowohl das Toplos der Klassischen Moderne, Herbert Boeckls „Dominikaner“, als auch Maria Lassnigs „Spiegelbilder“, sonst stets gut für Rekordpreise im Kinsky, scheiterten an der Vorgabe.

Die Gesamtschau auf das Jahr 2009 und auch der Spartenvergleich repräsentieren sich deshalb recht differenziert. Klassische Moderne und Bilder des 19. Jahrhunderts gaben gegenüber dem Vorjahr um 18 % nach, was ausnahmslos der schlechten Performance der Biedermeiermalerei und dem Stimmungsimpressionismus geschuldet ist. Zeitgenossen verbesserten sich leicht um 1 %. Der Jugendstil legte hingegen um 64 % zu und feierte eines der besten Ergebnisse aller Zeiten.

Dass die Antiquitäten sich um 84 % verbesserten, geht ganz gegen die Trends der Zeit und ist den beiden Auktionen der Geschäftsauflösung D & S Antiques und des Nachlasses des Wiener Antiquitätenhändlers Hruschka zu danken, wo „um jeden Preis“ verkauft wurde. Den stärksten Umsatzzuwachs verzeichnete aber mit 292 % die Altmeistersparte – und gab damit ein kräftiges Lebenszeichen von sich.

Insgesamt stellt der Umsatz von 20,6 Millionen Euro das seit der Gründung vor 16 Jahren zweitbeste Ergebnis für das Auktionshaus im Kinsky dar – ein beachtlicher Erfolg in einem schwierigen Marktumfeld.

Otto Hans Ressler

 

Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com

 

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