Halbjahresbericht 2009
Rekordumsatz mitten in der KriseHalbjahresbericht 2009 im Kinsky Kunst Auktionen
Im 1. Halbjahr 2008 war die Welt noch in Ordnung. Im Kinsky Kunst Auktionen meldeten euphorisch die Steigerung des Halbjahres-Umsatzes auf den neuen Rekordwert von
12,45 Millionen Euro. Im Herbst ging es dann Schlag auf Schlag: Mit der Insolvenz des Bankhauses Lehman Brothers und dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes kam es zur Schieflage der gesamten Finanzwirtschaft und damit zu einer weltweit spürbaren Wirtschaftskrise. Auch der Kunstmarkt blieb von diesen Turbulenzen nicht verschont.
Ein Massaker auf den internationalen Märkten blieb freilich aus. Zwar kam es zu Preiskorrekturen bei einigen zeitgenössischen (amerikanischen und englischen) Künstlern, die zuvor einen beispiellosen Höhenflug verzeichnen konnten, aber im Wesentlichen blieben die Preise stabil. Bei den Herbstauktionen im Kinsky gab es allerdings wesentlich niedrigere Verkaufsraten und damit geringere Umsätze als erhofft. Über das ganze Jahr gesehen stagnierten die Umsätze auf hohem Niveau.
Für 2009 rechneten wir daher, eine Zeit lang kleinere Brötchen zu backen. Aber schon die Jubiläums-Auktion im Februar 2009 belehrte uns eines Besseren. Und nach der letzten Auktion vor dem Sommer sind wir in der glücklichen Lage, für das erste Halbjahr 2009 erneut ein Rekordergebnis melden zu können: 14 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung von 11,2 %!
Unsere Auktionen standen von Anfang an unter einem glücklichen Stern. Bei der Jubiläums-Auktion am 24. Februar 2009 war von einer Krise nichts zu spüren. Jedenfalls glätteten sich unsere Sorgenfalten angesichts der tollen Stimmung im berstend vollen Auktionssaal recht schnell: Das Toplos der Auktion, Max Oppenheimers „Die Geißelung“, erzielte trotz Ausfuhrverbotes des Bundesdenkmalamtes (und es gab durchaus hohes Kaufinteresse ausländischer Sammler) den Höchstpreis des Abends mit 557.000 Euro.
Die „Drei Musen“ von Ernst Klimt, dem jüngeren, früh verstorbenen Bruder Gustav Klimts, erfuhren eine sensationelle Steigerung, von € 18.000 auf € 237.000. Zahlreiche Preisrekorde (für Oppenheimer, Ernst Klimt, Herbert Ploberger, Karl Prantl, Joannis Avramidis, Oskar Mulley, Helene Funke und andere wurden registriert, und am Schluss der Auktion durfte man sich zu Recht verwundert fragen: Krise? Welche Krise?
Abgesehen von diesem großen Erfolg, der insbesondere auf ein hochkarätiges Angebot zurückzuführen war, wurde die Flaute der globalen Wirtschaft auch für uns spürbar. Schon bei der Auktion im April mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es war unübersehbar, dass einige Kunden fehlten. Sie hatten, wie sie uns mitteilten, entweder Finanzierungsprobleme, oder die tagtäglich hernieder prasselnden schlechten Nachrichten hatten ihnen schlicht die Kauflust verdorben. Aber sie wurden, zumindest teilweise, ersetzt durch andere, neue Interessenten, für die der Kunstmarkt plötzlich interessant wurde. Auch sie hatten Geld an den Börsen verloren; jetzt wollten sie etwas haben, das man zumindest angreifen und ansehen konnte und das ihnen auch dann noch Freude bereiten würde, selbst wenn es auch hier zu Preiskorrekturen kommen sollte.
Solche Preiskorrekturen sind indes nicht zu erwarten. Schon nach 1929 hatte sich die Kunst als äußerst stabiler Wert erwiesen. Die Dresdner Bank hat Anfang dieses Jahrhunderts die Renditen von Aktien, Rentenpapieren und Kunst über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren verglichen und ist zum interessanten Ergebnis gelangt, dass alle überprüften Papiere entweder im 1. Weltkrieg, bei der Großen Inflation Anfang der zwanziger Jahre, bei der Weltwirtschaftskrise oder im 2. Weltkrieg untergegangen sind. Die Kunst hat alle diese Krisen überdauert.
Trotzdem gibt es natürlich Auswirkungen: Eine besteht in einer gewissen Unberechenbarkeit bei der Preisbildung, ausgelöst nicht zuletzt durch neue Marktteilnehmer (und das Fehlen bisheriger). Auch die Verkaufsraten haben insgesamt gelitten. Im April blieben sowohl eine (umstrittene, aber mit hohen Erwartungen verbundene)
Rubens-Studie als auch das Anthonis van Dyck zugeschriebene Porträt der Königin Henrietta Maria von England ohne Angebot. Dafür kämpften zehn Telefonbieter verbissen um Faustino Bocchis „Festtag im Zwergenreich“ und versetzten das Auktionsteam mit einem Ergebnis von € 93.750 in Festtagsstimmung. Dieses Ereignis
wurde noch übertroffen bei Jan van de Vennes „Versuchung des Hl. Antonius“, die, geschätzt auf € 15.000, auf € 94.400 gesteigert wurde. Spannend, da völlig unerwartet, war die Steigerung einer mythologische Szene aus der Werkstatt Bartholomäus Sprangers: Das auf nur
€ 5.000 taxierte Bild erzielte das Vierzigfache seines unteren Schätzpreises: € 200.000.
Erfolg kann man freilich nur haben, wenn auch eine kräftige Portion Glück im Spiel ist. Im Kinsky erhielt die gesamte, auf antike Uhren spezialisierte Kunsthandlung D & S Antiques zur Auktion anvertraut. Wie schon vier Jahre zuvor bei der Geschäftsauflösung des Kunsthandels Michael Stoff wurden wieder extrem niedrige Ausrufpreise festgesetzt, und es wurde nicht nur nach oben, sondern auch nach unten gesteigert. „Alles verkauft!“ und die Weiße Fahne waren die Folge; auch hier wurde das Ergebnis zu einem guten Teil ganz neuen Kunden gedankt. Dass eine 100 %-ige Verkaufsrate in Österreich nach 1945 erst zum zweiten Mal gelang, betont die Besonderheit des Anlasses. Und dass dies in einer Zeit gelang, wo das gesamtwirtschaftliche Umfeld – vorsichtig ausgedrückt – ein wenig schwierig ist, unterstreicht das noch mehr.
Die Unberechenbarkeit des Marktes war auch bei der letzten Auktion vor dem Sommer ein unübersehbarer Faktor.
Das auf € 70.000 taxierte „Stehende Mädchen“ von Egon Schiele kletterte auf unglaubliche € 383.000; damit konnte nicht einmal ein aquarellierter Akt Schieles mithalten, der auf 303.000 Euro gesteigert wurde. Auch der Preis für eine Aktzeichnung von Gustav Klimt (€ 200.000) ist im Grunde eine Sensation. Vor allem die hohen Werte „hielten“, was ein wenig in den Hintergrund rückte, dass die Verkaufsrate – mit Ausnahme des Jugendstils – schwach war. Es sah fast so aus, als würde das, was vom Markt angenommen wurde, extrem hoch gehen – der Rest scheiterte sang- und klanglos.
Diese Entwicklung setzte sich bei den Zeitgenossen fort, obwohl hier die Verkaufsrate deutlich besser war. Friedenreich Hundertwassers „Zwiegespräch“ wurde um € 193.000 verkauft, das ist der höchste je in Österreich für diesen Künstler erzielte Preis. Einen Rekord schaffte auch Arik Brauer, dessen Bild „In Statu nascendi“ 112.000 Euro einspielte. Fritz Wotrubas „Kirchenmodell“ brachte es mit
€ 140.000 auf einen der höchsten Preise, die für diesen Künstler jemals registriert wurden.
Beim Jugendstil tickten die Uhren i
nsofern anders, als hier die Nachfrage ausgesprochen gut war. Und wie in den anderen Sparten, gab es auch hier für Einmaliges einmalige Preise: Eine silber-vergoldete Brosche von Josef Hoffmann, aus geführt für die Wiener Werkstätte 1910, stieg auf
€ 187.500; einer der raren Winterputti von Michael Powolny erzielte € 56.000.
Insgesamt lässt das 1. Halbjahr 2009 Folgendes erkennen
- Das Interesse für zeitgenössische Kunst, das im Herbst 2008 zu erlahmen schien, ist wieder da. Die Verkaufsraten sind hier am höchsten, wenn auch nicht auf dem Niveau von vor einem Jahr. Im Kinsky konnte seine Position als Marktführer halten. Von den Top-100 Künstlern (laut dem Ranking der Zeitschrift Format von Anfang Juni 09) haben 62 % ihre höchsten Preise im Kinsky erzielt.
- Die umsatzstärkste Sparte ist und bleibt die Klassische Moderne. Nirgendwo sonst sind für Kunstwerke (vor allem österreichischer Provenienz) so hohe Preise zu erzielen. Dass Werke von Oppenheimer, Schiele, Klimt und Walde die Top Ten anführen, ist also kein Zufall. Dazu kommt, dass Schiele und Klimt stets internationale Nachfrage erfahren und schon dadurch ein hohes Preisniveau haben.
- Die Malerei des 19. Jahrhundert bleibt hingegen schwach nachgefragt. Hier muss der Markt schon etwas Singuläres bieten, um die Sammler zu motivieren. Die „Drei Musen“ von Ernst Klimt waren offensichtlich so etwas, auch der „Konstantinbogen in Rom“ von Rudolf von Alt vermochte zu einem besonderen Engagement zu motivieren.
- Alte Meister haben mit drei „Ausreißern“ ein starkes Lebenszeichen von sich gegeben. Jugendstil ist selbst dann erfolgreich, wenn die Bieter aus den USA teilweise abstinent bleiben (und das tun sie derzeit). Die starke Nachfrage nach Lötz Glas und Wiener Werkstätte tragen vor allem österreichische Sammler. Und Antiquitäten wussten – durch die besonderen Umstände der D & S Auktion angefeuert – wieder einmal ein kräftiges Lebenszeichen abzugeben.
Louis Pasteuer hat einmal verraten, sein Erfolgsrezept bestehe in nichts als Ausdauer. Das mag tiefgestapelt sein. Aber in der jetzigen Situation, von der niemand sagen kann, wie es morgen aussieht, ist ein langer Atem sicher kein Nachteil. Die (doch) unerwarteten Erfolge der letzten Auktionen haben uns jedenfalls tief Luft holen lassen. (Otto Hans Ressler)
Herzliche Grüße
Ihr Otto Hans Ressler
Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com


