PRESSE-INFORMATION — NACHBERICHT
Jahresrückblick 2008

Konnte noch zur Jahresmitte von einem Umsatzzuwachs von 11,5 % (nach einem Rekord-Vorjahr) berichtet und von zuversichtlichen Prognosen für unsere Herbstauktionen ausgegangen werden, veränderte sich das Marktumfeld ab Oktober binnen kürzester Zeit.

Der Absturz der Börsenkurse, der Verlust des Vertrauens der (und in die) Geldwirtschaft, die einbrechenden Verbrauchermärkte, eine drohende Rezession in wichtigen Industriestaaten und die insgesamt eingetrübten Zukunftsaussichten verdarben auch so manchem Kunstliebhaber und Sammler den Spaß.

Im Kinsky wirkte sich das ab der 70. Auktion (im Oktober) mit signifikant niedrigeren Verkaufsraten aus. Von den 28 im Jahr 2008 erzielten Verkäufen über € 100.000 entfielen nur 10 auf die zweite Jahreshälfte.

Künstler Titel Kaufpreis Aukt.
F. G. Waldmüller  Der Guckkastenmann  1.050.000* 68
Egon Schiele  Dorf am Fluss I, 1908  310.000 67
Otto Rudolf Schatz  Im Prater, um das Lusthaus  216.000 69
F. Hundertwasser  Regentag in Siam  186.000 68
Franz Sedlacek  Blumenstück  161.940 69
Carl Schuch  Apfelstillleben  155.000 68
Maria Lassnig  Innerhalb - Außerhalb  154.280 71
Egon Schiele  Liegender weiblicher Akt  152.100 69
Herbert Boeckl  Landschaft mit rosa Haus  151.280 67
Alfons Walde  Winteridylle  148.800 71
Anton Faistauer  Blumenstrauß  143.980 67
Gustav Klimt  Mädchen im Lehnstuhl  140.400 67
Ernst Fuchs  Paradiso  124.450 69
F. Hundertwasser  Kaiser Franz Josef Spital  124.000 70
Herbert Boeckl  Großes Blumenstück  124.000 70
Gustav Klimt  Tänzerin mit Halskette  124.000 67
Alfons Walde  Kirche in Kitzbühel  124.000 71
Th. Von Hörmann  Kirsch- und Pfirsichblüte  122.000 68
Franz Sedlacek  Landschaft mit brenn. Castell  122.000 71
Egon Schiele  Liebende  111.600 67
Gustav Klimt  Aufgestützt liegender Akt  111.600 69
Gustav Klimt  Sitzender Halbakt  111.600 71
Gustav Klimt  Studie für die Tänzerin  111.600 71
Friedrich König  Amazonen  106.640 71
Josef Floch  Morning I  105.400 69
Wisinger-Florian  Großes Blumenstillleben  105.300 68
Hans Leinberger  Betende Maria  104.160 70
Rudolf Hausner  Glückliche Landschaft  100.160 69

* Bei diesem Betrag handelt es sich um ein Meistbot.

Der endgültige Verkauf erfolgte außerhalb der Auktion.
Die Auktionshäuser nehmen für sich in Anspruch, Seismograph des Kunstmarkts zu sein; also haben sie auch als Erste Nachfragerückgänge zu registrieren. Nachfragerückgänge, die über kurz oder lang auf allen Märkten zu verzeichnen sein werden, auch wenn die Situation teils noch verleugnet, teils von Erfolgen, etwa Rekordpreisen, die es tatsächlich nach wie vor gibt, verdeckt wird.

Denn die Nachfrageschwäche ist nicht das einzige Problem: Zwar sind einige Kunstkäufer von der Bildfläche verschwunden, weil sie derzeit nicht kaufen können oder ihnen die Lust vergangen ist; fast noch schwerer wiegt aber die Angebotsschwäche: Die Einbringer zieren sich, jetzt zu verkaufen (sofern sie nicht müssen, und zu einem guten Teil müssen sie noch nicht).

Der Umsatz des Auktionshauses im Kinsky ist mit
€ 19,200.000 dennoch der zweithöchste aller Zeiten – gegenüber dem Rekordjahr 2007 aber doch ein Rückgang um 10 %.

Erfreulicher Weise haben Gemälde (Bilder von 1800 bis 1945) entgegen dem Trend aber noch um 8 % zulegen können. Wesentlich dafür war der Verkauf des „Guckkastenmannes“ von Ferdinand Georg Waldmüller, der mit einem Meistbot von € 1,050.000 den Höchstpreis des Jahres im Kinsky markiert.
Insgesamt schwächelt die Malerei des 19. Jahrhunderts aber schon des Längeren, während Klassische Moderne gut nachgefragt ist und mit der Sammlung Schlauss einen phantastischen Start ins Jahr 2008 hatte.

Zeitgenössische Kunst (ab 1945), die noch im Vorjahr um 70 % zulegen konnte, verlor übers Jahr gesehen leicht: – 1,7 %. Gab es im ersten Halbjahr noch ein deutliches Plus bei starker Beteiligung vieler neuer (junger) Sammler, wirkte sich im Herbst die schwächer gewordene Nachfrage hier besonders stark aus. Weder konnten die Vorjahresumsätze eingespielt werden, noch hielten die hier traditionell hohen Verkaufsraten.

Der Umsatzrückgang bei den Antiquitäten hat nicht nur die „Krise“ als Ursache. Hier wirkt sich eine Veränderung bei den Sammlern selbst viel nachhaltiger aus. Die „alten“ Käufer, die ihre Wohnungen noch stilgerecht mit Biedermeiermöbeln und -bildern einzurichten verstanden, sind jüngeren, urbanen Sammlern gewichen, die damit nichts anzufangen wissen, sondern in die Kunst des 20. Jahrhunderts, also Klassische Moderne und Zeitgenossen, gingen.
Sobald diese Sammler ihre wirtschaftliche Situation wieder vollständig überblicken und die ersten Anzeichen einer verbesserten Wirtschaftslage auftreten, werden sie wieder kaufen – genau dort, wo sie aufgehört haben (also eher nicht bei Antiquitäten und Bildern des 19. Jahrhunderts).

Deshalb ist auch keine wirkliche Erholung der Preise bei Möbeln der Barock- und Biedermeierzeit, bei Gläsern, Porzellanen und Silbergegenständen des 18. und 19. Jahrhunderts zu erwarten – außer es handelt sich um Exzeptionelles, das auch mitten in einem schwierigen
Marktumfeld immer reüssieren wird. Jeder Kunstliebhaber weiß, dass, wenn er dann nicht zugreift, das gute Stück vielleicht nie mehr bekommen wird.

Ein sehr erfreuliches Phänomen der Jugendstil-Auktion Anfang Dezember war es, dass erstaunlich engagierte österreichische Bieter bei Wiener Werkstätte und Keramik den weitgehenden Ausfall ausländischer Sammler völlig vergessen ließen. Lediglich französisches Glas bekam die ganze Wucht der ausländischen Abstinenz zu spüren.

Für das Jahr 2009 gehen wir davon aus, dass der „harte Kern“ der Sammler und Kunstliebhaber weiterhin kaufen wird; wann die „Neuen Wilden“ unter den Kunstkäufern, die zuletzt für das rasante Tempo der Preisentwicklung gesorgt hatten, wieder einsteigen, wird davon abhängen, ab wann wieder positive Nachrichten dominieren.

Wer auf einen Einbruch bei den Preisen für hohe und höchste Qualität wartet, wird, davon sind wir überzeugt, vergeblich warten. Im Kinsky bereitet derzeit eine Auktion mit einer stringenten Auswahl bester österreichischer Kunst aller Sparten vor. Für die Jubiläums-Auktion am 24. Februar wurden bisher bereits 100 Kunstwerke mit einer unteren Schätzpreissumme von 4 Millionen Euro akquiriert.

Wir glauben allerdings nicht, dass die „Krise“ dann schon vorbei sein wird. Aber wir bauen darauf, dass die Sammler an diesem Angebot nicht werden vorübergehen können.

Otto Hans Ressler

 

Für zusätzliche Informationen:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com.

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