Halbjahresrückblick 2008
Qualität bringt Erfolg – im Kinsky
Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres erhöhte sich der Umsatz im Auktionshaus im Kinsky auf 12,45 Millionen Euro bzw. 11,5 %.
Klassische Moderne (€ 4,750.000) verbesserte sich um ganze 60 %, was vor allem auf die Auktion der Sammlung Schlauss im März zurückzuführen ist, bei der Werke von Egon Schiele, Gustav Klimt, Herbert Boeckl, Anton Faistauer und Anton Kolig reüssierten.
Zeitgenössische Kunst (€ 3,620.000) konnte auf hohem Niveau um 22 % zulegen; hier wirkte sich nicht nur die nach wie vor gute Nachfrage positiv aus, sondern auch der Umstand, dass Kunst nach 1945 nun bei jeder Auktion angeboten wird.
Die höchste Steigerung erfuhr die Sparte Bilder des 19. Jahrhunderts: 71 % (€ 2,150.000). Darin enthalten ist der Millionenzuschlag für Ferdinand Georg Waldmüllers „Guckkastenmann“, der allerdings erst nach der Auktion fixiert werden konnte.
Die Antiquitäten (€ 890.000) konnten ihr hohes Niveau nicht halten. Im Vorjahr brachte die erfolgreiche Versteigerung der Sammlung Wedermann Umsätze, denen heuer nichts Vergleichbarer gegenübergestellt werden konnte; der Umsatz brach um 51 % ein. Auch der Jugendstil (€ 760.000) musste einen Umsatz-Rückschlag (45 %) hinnehmen; hier führen Topobjekte, die man in einem Jahr hat und im anderen nicht, bereits zu starken Verwerfungen.
Zusammenfassend kann man aber sagen, dass die Kunstmärkte weiterhin gesund sind, auch national boomen, auch wenn sich das Tempo ein wenig verlangsamt zu haben scheint. Aber wahrscheinlich ist das sogar eine gute Nachricht, weil es die nicht zu unterschätzende Gefahr allzu großer Überhitzung vermindert.
Es fällt auf, dass viele neue Bieter, auch aus dem nahen und fernen Ausland, bei den Auktionen auftreten und äußerst professionell agieren. Bei der 68. Auktion etwa ging fast jede Arbeit von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch ins Ausland. (Bei der Klassischen Moderne sind Gebote von Sammlern aus Europa und den USA für Schiele und Klimt bereits seit längerem die Regel; die Nachfrage hat sich mittlerweile aber deutlich ausgeweitet, etwa auf Werke von Otto Rudolf Schatz, Josef Dobrowsky und Franz Sedlacek.
Nicht wenige der höchsten Zuschläge, die wir erzielen konnten, sind auf solche Bieter zurückzuführen. Die Höchstpreise im 1. Halbjahr waren:
Ferdinand Georg Waldmüller |
Der Guckkastenmann |
*1.050.000 |
Egon Schiele |
Dorf am Fluss I, 1908 |
310.000 |
Otto Rudolf Schatz |
Im Prater, um das Lusthaus |
216.000 |
Friedensreich Hundertwasser |
Regentag in Siam |
186.000 |
Franz Sedlacek |
Blumenstück |
161.940 |
Carl Schuch |
Apfelstillleben |
155.000 |
Egon Schiele |
Liegender weiblicher Akt |
152.100 |
Herbert Boeckl |
Landschaft mit rosa Haus |
151.280 |
Anton Faistauer |
Blumenstrauß |
143.980 |
Gustav Klimt |
Mädchen im Lehnstuhl |
140.400 |
Ernst Fuchs |
Paradiso |
124.450 |
Gustav Klimt |
Tänzerin mit Halskette |
124.000 |
Theodor von Hörmann |
Kirsch- und Pfirsichblüte |
122.000 |
Egon Schiele |
Liebende |
111.600 |
Gustav Klimt |
Aufgestützt liegender Akt |
111.600 |
Josef Floch |
Morning I |
105.400 |
Olga Wisinger-Florian |
Großes Blumenstillleben |
105.300 |
Rudolf Hausner |
Glückliche Landschaft |
100.160 |
Franz Sedlacek |
Das Krimmler Kees |
99.200 |
Max Weiler |
Ungewöhnliche Gegend |
84.700 |
Canaletto Nachfolger |
Vedute des Arsenaleingangs |
81.840 |
Anton Kolig |
Stillleben mit Früchten |
80.600 |
Giselbert Hoke |
Tag- und Nachtflug |
79.984 |
Gustav Klimt |
Liegender Halbakt |
79.300 |
Lovis Corinth |
Tirolerin mit Katze |
74.400 |
Josef Dobrowsky |
Ernteszene |
73.160 |
Adolf Loos |
Kaminuhr |
68.200 |
Wolfgang Herzig |
Speisezimmerbild |
66.540 |
Ferencz Franz Eisenhut |
Die Heilung durch den Koran |
66.000 |
Wander Bertoni |
Das große U |
63.966 |
Hubert Scheibl |
Stranger B |
62.466 |
Hans Böhler |
Freundinnen |
63.240 |
Maurice Utrillo |
Fleurs |
62.000 |
Herbert Gurschner |
Damenakt |
62.000 |
Carl Moll |
Waldweg bei Kreuzberg |
60.600 |
*Die angegebenen Beträge sind Kaufpreise, also Meistbote zuzüglich der Käuferprovision. Bei Waldmüllers „Guckkastenmann“ handelt es sich, da der Verkauf außerhalb des Auktionshauses abgewickelt wurde, um das unter Vorbehalt erzielte Meistbot.
Wie gut die Stimmung im Kunstmarkt derzeit ist, kann man auch daran ablesen, dass allein bei der 69. Auktion im Juni 16 Mal (!) die aktuellen Höchstpreise für zeitgenössische Künstler verbessert wurden: Für Rudolf Hausner (€ 100.160), Ernst Fuchs (€ 124.450), Wolfgang Herzig (€ 66.540), Wander Bertoni (€ 63.966), Hubert Scheibl (€ 62.466) sowie Karl Korab, Kurt Regschek, Karl Hodina, Arik Brauer, Oswald Oberhuber, Ernst Caramelle, Alfred Kornberger, Gunter Damisch, Heinrich Dunst, Erwin Wurm und Thomas Reinhold.
Wie gut im Kinsky gerade bei der zeitgenössischen Kunst liegt, zeigt die Statistik: 63 % der Auktionsrekorde der 100 bedeutendsten Künstler Österreichs (Quelle: Format-Ranking 2007) wurden im Kinsky erzielt. Den Rest halten zu gleichen Teilen heimische Mitbewerber und ausländische Auktionshäuser.
Im Herbst feiert das Auktionshaus im Kinsky seinen 15. Geburtstag – natürlich mit Auktionen. Erste Einlieferungen von bedeutenden Werken der Klassischen Moderne, der zeitgenössischen Kunst und des Jugendstils erlauben schon jetzt optimistische Prognosen.
Wenn Sie Fragen haben, stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.
Einen schönen Sommer und alles Gute
Ihr Otto Hans Ressler


