Jahresrückblick 2007
Rekordumsatz und Rekordpreise im Kinsky

2007 war für im Kinsky Kunst Auktionen das erfolgreichste Jahr seiner Unternehmensgeschichte. Die Umsätze wurden gegenüber 2006 um 33 % auf 21,4 Millionen Euro (Meistbot € 17,300.000) gesteigert.

Der Trend, dass vor allem im Hochpreis-Segment hervorragende Nachfrage herrscht, hat sich weiter fortgesetzt und noch verstärkt. Die Liste der Zuschläge über € 100.000 wurde gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt:

Zhang Daiqian Lotosblütenbild, 1944 545.600
Otto Rudolf Schatz Die Mondfrauen 415.400
Franz Sedlacek Beim Moulagenmacher 372.000
Richard Gerstl Landschaftstudie 395.500
Albin Egger-Lienz Schnitter 305.000
Albin Egger-Lienz Bauer 297.600
Josef Kähsmann Psyche, Marmorskulptur 1826 297.600
Maria Lassnig Mit einem Tiger schlafen 292.000
Maria Lassnig Samson 254.400
Kolo Moser Anhänger mit Kette, WW 1905 268.200
Carl Moll Dahlien 186.000
Josef Dobrowsky Danae 162.400
Maria Lassnig Kartoffelpresse 165.500
Rudolf Wacker Stillleben mit Hecht 170.500
Alfons Walde Bauernwirtsstube 148.800
Wolfgang Hollegha o. T. 152.900
Max Weiler Der Violette Kogel 148.800
Franz Sedlacek Abendlandschaft 136.400
Max Weiler Umbrabaum 136.400
Franz Ringel Vertreibung aus dem Paradies 127.700
Gustav Klimt Sitzender Frauenakt 124.000
Egon Schiele Rupert Koller 124.000
Arnulf Rainer Kreuz mit Handschuh 127.500
Adolf Loos Kaminuhr 117.800
Günter Brus Zyankal Zyklamen 126.000
Georg Minne Kniender Jüngling 111.600
Carl Moll Stillleben mit Rosen 105.400
Alfons Walde Bergsommer 105.400
Jean Egger Landschaft 105.400

Am stärksten, nämlich um 70 %, sind die Umsätze im Bereich der zeitgenössischen Kunst gestiegen. Mit Maria Lassnigs „Mit einem Tiger schlafen“ gelang überdies der höchste Zuschlag, der je für einen lebenden österreichischen Künstler realisiert werden konnte. Zwei der drei Auktionen zeitgenössischer Kunst waren die umsatzstärksten, die wir je veranstaltet haben.
Im Kinsky Kunst Auktionen hält nun nahezu zwei Drittel der Auktionsrekorde der 100 wichtigsten österreichischen Künstler (Quelle: www.artauctionsresults.com). Bei den Auktionen fällt auf, dass sich überdurchschnittlich viele Saalbieter engagieren, dass alle Preiskategorien hervorragend nachgefragt sind, und dass in einem bisher nicht gekannten Ausmaß ausländische Interessenten auftreten; die offerierten Werke von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch gingen zum Großteil außer Landes.

Die umsatzstärkste Sparte im Kinsky ist aber nach wie vor die Klassische Moderne. Auch hier sind die spannendsten Steigerungen und die höchsten Zuschläge sehr oft auf Bieter aus ganz Europa und den USA zurückzuführen. Rekordpreise für Otto Rudolf Schatz, Franz Sedlacek (der seine bisherige Höchstmarke fast verdoppelte), Richard Gerstl und Josef Dobrowsky waren die Folge. Als dessen „Danae“ mit einem Rufpreis von
€ 10.000 startete und die Bieter vehement kleine Steigerungsschritte von jeweils nur € 1.000 forderten, hätte man, als schließlich der Zuschlag bei
€ 162.000 erfolgte, eine Stecknadel fallen hören können.

Beim Jugendstil dokumentiert die Preissteigerung der letzten Jahre nichts besser als eine der „schwebenden“ Kaminuhren von Adolf Loos. 1998 kostete eine vergleichbare Uhr im Kinsky noch € 36.000, 2002 mussten bereits € 48.000 dafür ausgegeben werden, ein Jahr später war das gute Stück nicht mehr unter € 64.000 zu haben. 2007 fiel der Hammer schließlich bei € 95.000.
Das größte Interesse bei Auktionen finden nach wie vor frühe Erzeugnisse der Wiener Werkstätte, vorzüglich von Josef Hoffmann oder Kolo Moser; das größte Problem dabei ist, dass diese Dinge immer seltener entdeckt werden können, und, was auf dem Auktionspult landet, sehr oft von Museen oder internationalen Sammlungen erworben und wohl nie mehr am Markt auftauchen wird.

Während Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst boomen, tut sich die Malerei des 19. Jahrhunderts etwas schwerer. Fast ausschließlich von österreichischen Interessenten nachgefragt, vermag nur etwas wirklich Herausragendes zu hohem Engagement zu engagieren. Zum Stagnieren der Sparte trägt fraglos auch bei, dass der Zeitgeschmack unübersehbar ins 20. Jahrhundert gewandert ist. Wenn aber wichtige Werke von Waldmüller, Gauermann, Rudolf von Alt oder den Stimmungsimpressionisten angeboten werden, ist das Interesse groß.

Bei den Antiquitäten ist die internationale Nachfrage hingegen die Regel. Der Rekordpreis des Jahres in dieser Sparte musste jedoch aus genau diesem Grund ausgesetzt werden, weil das Bundesdenkmalamt dem – für
€ 240.000 – siegreichen italienischen Bieter für Josef Kähsmanns 1826 in Rom geformte Marmor-„Psyche“ die Ausfuhrerlaubnis verweigerte und die Skulptur unter Denkmalschutz stellte. So bleiben als herausragende Ereignisse des Jahres die fast hundertprozentigen Verkaufsraten für Fayencen der Sammlung Wedermann und Herrengrund Kupfer aus der Sammlung R.S.P.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stimmung am Kunstmarkt ganz ausgezeichnet ist, und nicht einmal durch das etwas voreilig in den Medien angekündigte „Platzen der Blase“ nach einer Auktion in New York getrübt werden konnte.
Aber auch wenn es zu einer jähen Abkühlung nach einer nun schon recht lange andauernden Phase rasant steigender Preise kommen sollte: Wien ist davon schon Ende der achtziger Jahre weitgehend verschont geblieben, als in New York und London plötzlich die Märkte einbrachen. Hier gehen die Uhren eben ein wenig anders, ein wenig langsamer, dafür aber nachhaltiger; weder war der Aufschwung so extrem, noch wird es der Abschwung sein.

Das hat damit zu tun, dass nicht Spekulanten die Szene beherrschen, sondern Kunstliebhaber und Sammler. Die Preise steigen, weil es immer mehr Menschen gibt, die Kunst erwerben wollen, und weil die neuen Marktteilnehmer über unglaublich viel Geld verfügen.

Otto Hans Ressler

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