zur Übersicht Lot 0467 - Online-Katalog - , Do, 1. Januar 1970

Mario Dalpra * (Lot 0467), 118. Kunstauktion, Auktionstage

0467

Mario Dalpra *

Tango Totale

Schätzpreis € 3.500 - 7.000

Meistbot € 3.500
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0467

Mario Dalpra *

(Feldkirch 1960 geb.)
Tango Totale, 2015
Bronze, beschichtet, verchromt, Unikat; mit Sockel; H. 43 cm
Monogrammiert unterhalb: MD


In dem mit Konstanz weiterentwickelten Oeuvre von Mario Dalpra fällt das Zusammenspiel von Malerei, Zeichnung und Plastik besonders auf. Dabei weiß der Künstler genau zwischen Bildern, den der Malerei vorbehaltenen, eher illusionistischen Arbeiten in der Fläche, und dem herausfordernden Gestalten im Raum zu unterscheiden. Seinen eigenwilligen, mit Bronze beschichteten, in jüngerer Vergangenheit stark forcierten verchromten Plastiken (es handelt sich fast immer um Unikate) gehen dabei mit Regelmäßigkeit unzählige Skizzenblätter voraus. Es ist dies ein kleiner, in Abfolge und Zueinander variabler Kosmos von Einfällen und Anregungen, ein Arsenal schnell hingeworfener raumbezogener Improvisationen, das neben den fallweise hergestellten größeren Blättern den Künstler Tag für Tag begleitet und beschwingt in Form hält.

Das kontrastierende Zusammenspiel zwischen Bild und Plastik zeigt sich auch in unserer, im vorliegenden Katalog und der Auktion vorgenommenen Gegenüberstellung zweier 2014 und 2015 geschaffenen Arbeiten des in Wien lebenden, aus Vorarlberg stammenden Künstlers mit internationaler Reputation. Wie üblich werden sie einzeln angeboten, eröffnen allerdings im Dialog –über die Vorzüge und Charakteristika der jeweiligen Arbeiten hinaus- weitere Qualitäten im Duett.

Spannung und Entspannung sind die Antipoden in Dalpras bewegtem und bewegendem Werk mit Schauvergnügen. Es verrät formalen Ideenreichtum, stilbildende Originalität und jene Verknappung, die bei jemandem, der sichtlich aus dem Vollen schöpft, als Regulativ angebracht ist. Das, was man im weiten Sinn als Handschrift bezeichnet, besitzt er schon lange und gelegentlichen Geniestreichen, wie sie möglicherweise aus Hoffnung und Zufall resultieren, misstraut er. Seine künstlerischen Erträge beruhen auf regelmäßiger Arbeit und deren Erkenntnisgewinn für Zukünftiges.
Wenn Dalpra tanzt verliert er nicht die Bodenhaftung, egal ob es sich um „Tango totale“ als skulpturales Statement für Musik und Bewegung im stilistischen Einklang von Mann und Frau handelt oder sein dynamisch ausgewogenes, in freier Symmetrie mit Verve gemaltes Bild mit dem eher rätselhaften Titel „Der Mönch“, das –kaum merkbar beäugt- zwischen Post Informel und Post Pop pendelt.

P e t e r B a u m